Berlin hat keine Sperrstunde und kein festes Drehbuch für den Abend. Genau das macht die Wahl schwer: Irgendwo hat immer noch etwas offen.
Ein Berliner Abend beginnt später als anderswo. Um 19 Uhr sind die Bars leer, um 22 Uhr voll, und wer um Mitternacht nach Hause geht, hat in den Augen der Stadt gerade erst angefangen. Das liegt an einer Entscheidung von 1949: Damals schaffte West-Berlin die Sperrstunde ab, nach der Wiedervereinigung galt das für die ganze Stadt. Bars schließen deshalb nicht, wenn die Uhr es sagt, sondern wenn der letzte Gast geht. Für den Abend heißt das: Man muss nichts hetzen, aber man sollte wissen, was man will.
Der Klassiker: Sonnenuntergang, Essen, Bar
Die meisten guten Berliner Abende haben drei Stationen. Zuerst ein Ort mit Blick: in der warmen Jahreszeit der Klunkerkranich auf dem Parkdeck der Neukölln Arcaden, das ganze Jahr die Monkey Bar im zehnten Stock über dem Zoo. Dann ein Abendessen in dem Kiez, in dem man den Abend beenden will, damit die Wege kurz bleiben. Und danach eine Bar, in der man sitzen kann: die Bar Zentral in Charlottenburg, die Velvet Bar in Neukölln oder die 100 GRAMM Bar am Weinbergsweg in Mitte, die laut eigener Website täglich ab 16 Uhr öffnet und freitags und samstags bis fünf Uhr morgens Gäste hat.
Was man abends in Berlin außer Feiern machen kann
Wer keine Lust auf Club hat, ist in Berlin in bester Gesellschaft. Die Stadt hat abends ein Kulturprogramm, das für drei Städte reichen würde.
- Die Kuppel des Reichstagsgebäudes: kostenlos, bis in den späten Abend geöffnet, mit Blick über das beleuchtete Regierungsviertel. Man meldet sich vorher online beim Bundestag an; an einzelnen Wartungstagen bleibt die Kuppel geschlossen.
- Konzert: Philharmonie und Konzerthaus für Klassik, kleine Jazzclubs für den Abend ohne Abendgarderobe. Adressen stehen in unserem Beitrag über Bars und Restaurants mit Live-Musik.
- Varieté und Revue: Der Friedrichstadt-Palast und das Wintergarten Varieté zeigen große Shows, Kabarett- und Comedybühnen gibt es in fast jedem Bezirk.
- Kino unter freiem Himmel: Vom Frühsommer bis in den Spätsommer zeigen die Freiluftkinos in Friedrichshain, Kreuzberg und anderen Parks Filme nach Sonnenuntergang.
- Ein Spaziergang im Licht: Museumsinsel, Spreeufer am Schiffbauerdamm, Oberbaumbrücke. Die beleuchteten Fassaden machen Berlin abends zu einer anderen Stadt.
- Eine Bootsfahrt am Abend: In der warmen Jahreszeit fahren Reedereien auch abends über Spree und Landwehrkanal.
Was man nachts in Berlin machen kann
Nach Mitternacht wird Berlin eine andere Stadt, aber keine geschlossene. Die Cocktailbars füllen sich ein zweites Mal, Kneipen haben offen, solange Gäste da sind, und der Späti an der Ecke ist für viele Berliner ein vollwertiger Programmpunkt. Wer tanzen will, findet die großen Clubs ab Freitagnacht; wie es an der Tür läuft, steht in unserem Beitrag über die Tür des Berghain. Für den Heimweg wichtig: Am Wochenende fahren U-Bahn und S-Bahn die ganze Nacht, unter der Woche übernehmen Nachtbusse.
Was man mit Freunden abends in Berlin machen kann
Gruppen haben es am leichtesten, wenn sie sich einen Kiez vornehmen statt einer einzelnen Adresse. Die Weserstraße in Neukölln, die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain und die Gegend um den Rosenthaler Platz in Mitte haben so viele Bars auf wenigen hundert Metern, dass man den Abend zu Fuß planen kann. Ab sechs Personen lohnt sich eine Reservierung, und manche Bars haben dafür eigene Bereiche: Die 100 GRAMM Bar öffnet donnerstags bis samstags zusätzlich ihre Lounge mit DJ. Wer sich nicht einigen kann, lässt das Bar-Roulette entscheiden.
Heute Abend, spontan
Drei Fragen genügen für einen spontanen Abend. Welcher Wochentag ist heute? Sonntags und montags haben viele Cocktailbars geschlossen, dafür bekommt man dienstags und mittwochs fast überall einen Platz. Wie ist das Wetter? Bei Sonne nach draußen, bei Regen in eine Bar mit Sitzplätzen. Und wo will ich am Ende sein? Wer die letzte Station zuerst festlegt, plant den Rest rückwärts. Der Nachtplaner baut daraus eine Route mit Uhrzeiten.
Ein Abend ohne Club, Stunde für Stunde
Die schönste Berliner Nacht ohne Club sieht ungefähr so aus: um 19 Uhr ein Aperitif mit Aussicht, um 20.30 Uhr ein Tisch in einem Restaurant im Kiez, um 22.30 Uhr eine Cocktailbar mit Tresenplätzen und gegen Mitternacht eine zweite Bar mit Musik, etwa die Bar Tausend unter der S-Bahn-Brücke, wenn die Band spielt. Wer danach noch Lust hat, weiß jetzt, warum Berlin keine Sperrstunde braucht.
Probier es aus
NachtplanerStadt, Stimmung, Budget und Startzeit wählen: Der Nachtplaner baut eine Route aus drei bis vier Stationen mit Uhrzeiten, Drinks und Wegen.Bar-RouletteStadt und Kategorie wählen, drehen, staunen: Das Bar-Roulette zieht eine Bar aus diesem Guide und zeigt, warum du genau dort hingehen solltest.Häufige Fragen
Was kann man abends in Berlin machen, wenn man nicht feiern will?
Die Kuppel des Reichstagsgebäudes (kostenlos, vorher anmelden), ein Konzert, Varieté, im Sommer Freiluftkino, ein Abendessen im Kiez und danach eine ruhige Cocktailbar mit Sitzplätzen.
Wie lange haben Bars in Berlin abends offen?
Berlin hat keine Sperrstunde. Cocktailbars schließen meist zwischen zwei und drei Uhr, am Wochenende später, Kneipen oft erst, wenn der letzte Gast geht.
Was kann man heute Abend in Berlin spontan machen?
Wochentag und Wetter prüfen, einen Kiez wählen und dort zu Fuß von Bar zu Bar gehen. Unter der Woche bekommt man fast überall ohne Reservierung einen Platz.






