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Barkultur

Speakeasy: Warum versteckte Bars die Nacht verändern

· 6 Minuten Lesezeit

Eine Tür ohne Schild, eine Klingel, ein Blick durch den Spion. Die Speakeasy ist die Bar, die man kennen muss, und genau deshalb funktioniert sie.

Der Name stammt aus der amerikanischen Prohibition: Zwischen 1920 und 1933 war Alkohol verboten, und in den illegalen Bars sprach man leise, speak easy, damit niemand aufmerksam wurde. Als 1999 in New York die Bar Milk & Honey hinter einer unbeschrifteten Tür eröffnete, wurde aus der Not ein Stil. Seither hat jede Stadt ihre versteckte Bar.

Was die Speakeasy anders macht

Der Trick ist nicht die Tür, sondern das, was sie bewirkt. Wer klingeln muss, kommt mit Absicht. Wer wartet, ist geduldig. Wer drin ist, hat sich entschieden. Speakeasys haben deshalb ein anderes Publikum als Bars an der Straße: weniger Laufkundschaft, weniger Lärm, mehr Aufmerksamkeit für das Glas. In Berlin hat Buck and Breck daraus eine Regel gemacht: vierzehn Plätze, ein Tisch, keine Stehplätze.

Die besten Türen Europas

In Barcelona führt eine Kühlschranktür in einem Pastrami-Laden ins Paradiso, 2022 die beste Bar der Welt. In Frankfurt liegt die Kinly Bar hinter einer unscheinbaren Tür im Bahnhofsviertel, in Wien klingelt man an Tür 7 in der Josefstadt. Alle drei haben gemeinsam: Man bekommt keine Karte in die Hand gedrückt, sondern eine Frage gestellt.

Wie man hineinkommt

Klingeln, warten, nicht drängeln. Wenn es voll ist, bekommt man eine Uhrzeit genannt, und die stimmt meistens. Gruppen über vier Personen haben es schwer, Paare und Einzelgäste leicht. Reservierungen sind inzwischen fast überall möglich, oft nur per E-Mail oder Telefon. Wer reserviert, spart sich das Spiel mit der Klingel, verpasst aber die Hälfte des Reizes.

Was man bestellt

Speakeasys sind Bars ohne Karte oder mit sehr kurzer. Der Bartender fragt nach drei Dingen: Spirituose, Richtung (frisch, stark, bitter, süß) und Anlass. Daraus entsteht ein Drink, der auf keiner Karte steht. Wer das einmal erlebt hat, bestellt nie wieder nach Liste. Ein Klassiker als Test ist immer erlaubt: ein Old Fashioned zeigt in dreißig Sekunden, ob die Bar ihr Handwerk versteht.

Die Regeln

Keine Fotos mit Blitz, kein Telefonieren, keine Runden für den ganzen Tisch, die den Bartender zehn Minuten blockieren. Trinkgeld ist willkommen, Lautstärke nicht. Und wer eine Speakeasy in sozialen Netzwerken mit Adresse und Tür postet, hat sie nicht verstanden.

Häufige Fragen

Was ist eine Speakeasy?

Eine Bar ohne sichtbares Schild, oft mit Klingel, Code oder versteckter Tür. Der Name stammt aus der amerikanischen Prohibition.

Kann man Speakeasys reservieren?

Meist ja, per E-Mail oder Telefon. Ohne Reservierung entscheidet die Klingel und die Zahl der freien Plätze.