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Rituale

Aperitivo-Kultur: Die Stunde zwischen Tag und Nacht

· 5 Minuten Lesezeit

Zwischen 18 und 20 Uhr gehört die Bar den Menschen, die noch nichts vorhaben. Der Aperitivo ist die Stunde, in der der Abend entsteht.

Der Aperitivo ist italienisch, das Prinzip ist universell: ein leichter, bitterer oder frischer Drink vor dem Essen, dazu etwas Salziges, im Stehen oder auf einer Terrasse, mit Blick auf Straße oder Wasser. Er öffnet den Appetit und den Abend, und er ist die einzige Bar-Stunde, in der man mit einem Drink zwei Stunden bleiben darf.

Der Spritz

Aus Venetien, orange oder rot, aus Prosecco, Aperol oder Select und Soda. In München trinkt man ihn vor der Bar Centrale im Stehen, in Wien am Kanal im Motto am Fluss. Das Rezept steht bei unserem Aperol Spritz.

Der Vermut

Barcelona hat seine eigene Stunde: die hora del vermut, zwischen 13 und 19 Uhr in den Bodegas des Poble Sec und in Gràcia. Vermut vom Fass, Oliven, Chips, ein Sifon Soda. Nachts trinkt man ihn nicht, das wäre ein Fehler, den nur Touristen machen.

Der Spritzer

Wien: Weißwein mit Soda, halb und halb, im Sommer am Donaukanal. Kein Aperol, kein Sirup, dafür Grüner Veltliner und die Frage, ob man sommerlich (mehr Soda) oder normal will.

Der Negroni

Der Aperitivo für Menschen, die es ernst meinen. Bitter, stark, kalt, und trotzdem ein Drink vor dem Essen. In der Bar Centrale in München und in Boadas in Barcelona wird er richtig gemacht. Rezept beim Negroni.

Die Regeln

Ein bis zwei Drinks, nicht mehr. Etwas essen, aber nicht das Abendessen. Stehen ist erlaubt, Handy nicht. Und die Stunde ernst nehmen: Wer um 18 Uhr Aperitivo trinkt, isst um 21 Uhr und ist um 23 Uhr in der Bar. Wer um 18 Uhr Cocktails trinkt, ist um 23 Uhr müde.

Häufige Fragen

Wann ist Aperitivo-Zeit?

Zwischen 18 und 20 Uhr. In Spanien ist die Vermut-Stunde schon ab 13 Uhr.

Was trinkt man zum Aperitivo?

Spritz, Vermut, Spritzer, Negroni, Americano oder ein Glas Weißwein: leicht, bitter oder frisch, nie stark und süß.